Generationswechsel im Frauennotruf

04.03.2026

Generationswechsel im Frauennotruf

 

Auf dem Bild sind die aktuellen Mitarbeiterinnen sowie die ehemalige Mitarbeiterin, Ilga Schmitz zu sehen.

 

Seit über 40 Jahren unterstützt und berät der Frauennotruf Speyer e.V. Frauen und Mädchen, die sexualisierte Belästigung und Gewalt erlebt haben. Jetzt steht der Verein vor personellen Veränderungen und einer Neustrukturierung.

Nach über 20 Jahren engagierter Arbeit für Frauen und Mädchen in Speyer verabschiedet sich Ilga Schmitz Ende Februar in die Rente. In ihrer Zeit als hauptamtliche Mitarbeiterin hat sie viele gesellschaftspolitischen Veränderungen und Weiterentwicklungen erlebt. Mit Ausdauer und Hartnäckigkeit hat sie sich immer wieder dafür eingesetzt, dass die Sichtweise von gewaltbetroffenen Frauen und Mädchen berücksichtigt wird. Bekannt ist die zertifizierte Trainerin für Feministische Selbstbehauptung und Selbstverteidigung vor allem auch für ihre Kurse an Schulen, in Firmen und Organisationen. Auch in der Rentenzeit setzt sie sich ehrenamtlich weiterhin gegen sexualisierte Gewalt ein, beispielsweise in Workshops zu sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Dem Verein bleibt sie zudem als Vorstandsmitglied erhalten.

Mit ihrem Abschied gehen zugleich verschiedene Veränderungen einher, die Ilga Schmitz jedoch zuversichtlich als Chance für neue Projekte und Schwerpunkte sieht: „Ich freue mich, dass wir kompetente Kolleginnen gefunden haben, die die Notrufarbeit mit neuen Impulsen fortführen“.

Das neue multiprofessionelle Team vereint unterschiedliche fachliche Hintergründe, Erfahrungen und Perspektiven, die in die Präventions- und Beratungsarbeit einfließen:

Mit einem psychologischen und therapeutischen Hintergrund ist Nina DeGeorge (ehemals Lindermaier) seit Beginn des Jahres aus ihrer Elternzeit zurück. Seit dem letzten Jahr bringt zudem die promovierte Sozialwissenschaftlerin Dr. Laura Thurmann ihre langjährige Arbeitserfahrung und Expertise im Themenfeld der sexualisierten Gewalt mit ins Team. „Es gibt noch immer zu viele Mythen über sexualisierte Gewalt. Daher ist es wichtig, dass Frauen und Mädchen einen Raum haben, in dem sie über das Erlebte sprechen können, ernst genommen werden und qualifizierte und parteiliche Unterstützung bei der Verarbeitung erhalten“, betont Laura Thurmann. 

Im Rahmen einer neuen Projektstelle erweitert die Sonderpädagogin Miriam Capelle zudem die Notrufarbeit um einen neuen Schwerpunkt. Unterstützt durch eine Förderung der Aktion Mensch, baut sie seit November 2025 ein möglichst barrierefreies Beratungs- und Präventionsangebot für Frauen und Mädchen mit Behinderungen auf. „Frauen und Mädchen mit Behinderungen sind überdurchschnittlich häufig von sexualisierter Gewalt betroffen und stoßen dennoch in Unterstützungsangeboten immer wieder auf Barrieren. Mir ist es ein großes Anliegen, diese Barrieren sichtbar zu machen und gemeinsam mit dem Frauennotruf Stück für Stück abzubauen, damit auch sie einen sicheren Zugang zu Beratung, Prävention und Unterstützung erhalten“, so Miriam Capelle.

Auch in der Präventionsarbeit stehen Veränderungen an, um der hohen Nachfrage an Fortbildungen und Schulungen gerecht werden zu können. „Aktuell erarbeiten wir ein neues Konzept, um das Thema sexualisierte Gewalt zu einem festen Bestandteil in den weiterführenden Schulen zu etablieren. Punktuelle Workshops reichen nicht mehr aus, um die Schüler*innen angemessen aufzuklären und zu sensibilisieren“, erklärt Nina DeGeorge.

Der Frauennotruf Speyer ist die einzige Fach- und Beratungsstelle zu sexualisierter Gewalt in Speyer und Umgebung. Betroffene Frauen und Mädchen sowie Bezugspersonen und Fachkräfte können sich kostenlos, unabhängig und vertraulich beraten lassen. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange eine Gewalterfahrung zurückliegt und ob eine Anzeige erstattet wurde. Termine sind meist auch kurzfristig vereinbar. Um dies gewährleisten zu können, ist der Frauennotruf Speyer e.V. nach wie vor auf Spenden angewiesen. Wenn Sie den Verein unterstützen möchten, ist dies über das Spendenkonto der Sparkasse Vorderpfalz ,IBAN: DE42 5455 0010 0380 5600 29 möglich.

 

 

 

 

ViSdP: Laura Thurmann, Nina DeGeorge, Miriam Capelle, Frauennotruf Speyer e.V.

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